Böhmezeitung Nr 189 - Donnerstag, 15.08.2013

TV: Furchtlos

Ein Beitrag von "Guten Abend RTL", Freitag, 20.02.2009

Wer schon einmal vor einem knurrenden Hund mit gefletschten Zähnen stand oder vielleicht sogar gebissen wurde, vergißt diese Situation nicht so schnell.

Gerade Kinder, die dem Tier meist körperlich unterlegen sind, können deshalb eine regelrechte Furcht  entwickeln. Ihnen hilft ein neues Projekt: 'Keine Angst vorm großen Hund' heißt es und wie es funktioniert, zeigen wir Ihnen im Video.

Zusätzliche Informationen zum Projekt finden Sie hier.

 

 

Zeitung: Therapiehund hat keine Berührungsängste

Border Collie Ben zieht die Aufmerksamkeit der Demenzpatienten im Pflegeheim Wiesentrift auf sich

Böhme-Zeitung 08.05.2010 -Nr. 106

Eine weißhaarige Frau sitzt auf einem Stuhl. Sie blickt auf den Boden. Die Welt um sie herum scheint still zu stehen ? wenn da nicht Ben wäre. Den Border Collie stört nicht, dass die Frau abwesend ist und ihn scheinbar nicht wahrnimmt. Er kommt auf sie zu und legt ihr einen Ball auf den Schoß. "Komm, spiel mit mir", will er sagen. Die Dame bemerkt ihn. "Geh weg, Du Vieh!", raunt sie ihn plötzlich an. Der schwarz/grau-weiß gefleckte Rüde ist davon unbeeindruckt und wedelt freundlich mit dem Schwanz. Er wartet, seine Augen abwechselnd auf den Ball, dann wieder auf das Gesicht der weißhaarigen Dame gerichtet. Widerwillig wirft sie Ben den Ball schließlich zurück. "Hier hast du ihn!" Er fängt ihn gezielt mit der Schnauze und geht wieder auf sie zu.

 

Ben ist ein ausgebildeter Therapiehund. Seit gut einem Jahr besucht er gemeinsam mit Frauchen Birgit Baden Behinderten-Einrichtungen, Schulen oder Altenheime. Birgit Baden arbeitet seit vier Jahren in der tiergestützten Therapie. Die 43-Jährige fördert zudem auf dem "De lütte Hof"  bei Schneverdingen seit über 13 Jahren alte, kranke oder behinderte Menschen und Kinder mit AD(H)S. In Kooperation arbeitet sie mit dem Deutschen Institut für die Hund-Mensch-Beziehung (DEIHM) in Schneverdingen zusammen, und bilden Therapie-Hunde-Teams aus.

 

Ben ist nun zum ersten Mal im Alten- und Pflegeheim "Hausgemeinschaften Wiesentrift" in Schneverdingen zu Besuch. Hier werden an Demenz erkrankte Personen dauerhaft oder in Kurzzeit betreut. In einem großen, licht durchfluteten Raum warten seine Patienten auf ihn. Fünf ältere Damen sowie zwei Herren sitzen in einem Kreis zusammen.

 

Nachdem der dreijährige Border Collie die Heimbewohner mit Beschnuppern begrüßt hat, kann es auch schon losgehen. Birgit Baden wirft ihm einen Ball zu. Von da an führt Ben Regie und zeigt spielerisch, wo es lang geht. Er sucht sich seine Spielkameraden willkürlich aus: immer da, wo er den Ball wieder abgibt.

 

"Hunde unterscheiden von Natur aus nicht zwischen alten, kranken oder behinderten Menschen. Sie treten jedem offen und ohne Vorurteile entgegen", sagt Baden. So schafft es Ben sofort, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er motiviert alle zum Mitmachen, reißt sie aus ihrer Lethargie.

 

Die weißhaarige Dame legt ihre anfangs ablehnende Haltung schon nach ein paar Minuten ab. Sie fängt sogar an, zu lachen. "Du bist aber ein guter Hund", sagt sie zu Ben, als er ihr wiederholt den Ball auf den Schoß zurück legt. Auch der erste Körperkontakt ist erlaubt: Sie streichelt Ben über Kopf und Rücken. Sie freut sich sichtbar über den vierbeinigen Zeitgenossen. Der nimmt die Zuneigung an, geduldig bleibt er vor der Seniorin sitzen.

 

So geduldig wie Ben ist nicht jeder Hund. Allerdings können grundsätzlich alle Rassen in der Therapie eingesetzt werden. Sie richtig auszubilden, nimmt zudem Zeit in Anspruch. "Besonders wichtig ist die Phase der Sozialisierung von der dritten bis zur zwölften Woche", sagt Klaus Rose, Direktor von DEIHM. Rose bietet Ausbildungen im Bereich der Therapiehunde an. "Bei allem, was der Hund nicht gleich in den ersten Wochen sieht, ist er vorsichtig", sagt Rose. So werde bei DEIHM vor allem darauf geachtet, dass Hunde alltagstauglich sind. Sie sollten keine Angst vor Fahrstühlen, Fahrradfahrern oder Menschen im Rollstuhl haben. "Wenn Hunde Angst bekommen, geraten sie in Stress und das ist in einer Therapie nicht  gewünscht", erklärt Rose.

 

Inzwischen hat Therapeutin Baden ein neues Spielzeug hervorgeholt. Ben lässt den Ball achtlos fallen und konzentriert sich wieder auf sein Frauchen. Sie bläst einen Luftballon auf. ?Das ist sein Lieblingsspielzeug?, sagt sie. ?Was glauben Sie, was Ben mit dem Luftballon macht??, fragt sie in die Runde. ?Kaputt beißen?, ist die mehrheitliche Meinung der Senioren.

 

Baden wirft Ben den Ballon zu. Er nimmt Anlauf, stellt seinen Kopf hoch und stößt ? zur Verwunderung aller ? den Ballon mit seiner Schnauze nach oben, sodass dieser hoch in die Luft und auf einen älteren Herren zufliegt. Er reagiert schnell, holt mit dem Arm aus und schlägt den Luftballon zu Ben in die Mitte zurück. Ein paar Mal passiert es, dass der Ballon zwischen dem Vierbeiner und einem Patienten herunterfällt. Ben ist sensibel. Und so weicht er eher zurück, als mit beiden Pfoten voran in einen der Heimbewohner zu springen.

 

Einen Hund wie Ben in der Therapie einzusetzen hat viele Vorteile. "Demenzkranke nehmen ihre Umgebung kaum wahr. Sie können sich nur schlecht orientieren und sich nicht lange konzentrieren", sagt die stellvertretende Pflegedienstleiterin der "Hausgemeinschaften Wiesentrift", Silke Glaubitt. Sie schaut sich die erste Hundetherapie in ihrer Einrichtung mit an. Doch bei Ben ist das auf einmal anders. Er schafft es, dass alle auf ihn achten, Blickkontakt halten, mit ihm sprechen, sogar lachen.

 

"Studien haben gezeigt, dass die Tiere Stress verringern und beruhigend wirken. Sie steigern so das Wohlbefinden", sagt Rose. Nicht zuletzt werden Bewegungen verbessert: "Ballfangen und Ballwerfen, sich nach dem Hund bücken, um ihn zu streicheln oder einfach ein Leckerli hinhalten", beschreibt Therapeutin Baden. So werden die Sinne geschärft. "Die Patienten vergessen durch den Hund für kurze Zeit ihre Krankheiten, die Schmerzen und das Einsam sein, das sie sonst im Alltag beschäftigt", sagt Baden.

 

Für eine Dreiviertelstunde haben Ben und sein Frauchen die Heimbewohner von ihren Sorgen abgelenkt. Der junge Border Collie ist geschafft. "Er braucht seine Pausen", weiß Baden. Aber die nächste Hundetherapie im ?Wiesentrift? ist schon geplant. "Ich bin begeistert von Ben", sagt Pflegedienstleiterin Glaubitt. "Wie er es nur geschafft hat, alle so lange wach zu halten." Glaubitt möchte den Hundebesuch fest in der Schneverdinger Einrichtung etablieren.

 

Zum Abschied streichelt die weißhaarige Dame Ben noch einmal. Sie kann sich kaum von ihrem neuen Freund trennen. "Kommst du bald wieder?", ruft sie ihm zu. "Ja, bestimmt!", antwortet Glaubitt. Ben selbst kann auf die Frage der Dame nicht antworten. Aber eins - wie Therapeutin Baden sagt - hat er in nur 45 Minuten geschafft: "Dass sich die Patienten an ihn erinnern, mich aber vergessen sie wieder."
(Artikel in der Böhme-Zeitung, Nr. 106 - Sonnabend, 8. Mai 2010)

 

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